Karin Irshaid liest aus "Das Hochzeitsessen"

Die Herzen öffnen und den Blick weiten - Das Murnauer Tagblatt berichtet von einer Lesung in Uffing mit Karin Irshaid: Üblicherweise stellen Autoren bei Lesungen ihre neuesten Werke vor. So hatte Karin Irshaid im Pfarrheim Uffing zwar ihr soeben erschienenes Buch „Reise nach Jerusalem“ dabei, eingeladen war sie vom Katholischen Kreisbildungswerk und der Katholischen Pfarrei Uffing aber, um aus einer 1996 erstveröffentlichten Erzählung zu lesen.
Diese ist „Das Hochzeitsessen“ betitelt, was noch keine konkreten Assoziationen zu wecken vermag. Anders das von der Autorin, die auch Malerin ist, selbst gestaltete Cover: Arabische Schriftzeichen und eine orientalische, wild und bunt an einen Hügel hingeworfene Stadt geben die Richtung vor. Irshaid, geboren und aufgewachsen in Schwangau, studierte Malerei, Grafik und Kunstgeschichte in Hannover und Hamburg und legte ihr Staatsexamen in Münster ab. Verschiedene Lehr- und freiberufliche Tätigkeiten in Nordreihen-Westfalen folgten; seit geraumer Zeit lebt sie in Feldafing. Verheiratet mit einem palästinensischen Arzt, dessen Familie sie häufig mit ihm (und nun nach seinem Tod auch alleine) besuchte, erlebte sie den Nahost-Konflikt aus nächster Nähe. Und fand in ihm eines der großen Themen für die künstlerische Arbeit: Wie kann das Zusammenleben der Völker und Kulturen im Nahen Osten gelingen?
Als „Das Hochzeitsessen“ entstand, sei sie da noch optimistischer gewesen, gesteht Irshaid. „Aus heutiger Sicht würde ich sagen, es gibt kein Palästina mehr. Das haben wir verpasst.“ Diese Aussage erstaunt das Publikum denn doch. Und so erzählt die Schriftstellerin noch ein wenig von ihren jüngsten Reiseerlebnissen. Diese wie auch der Vortrag aus dem Buch machen deutlich, dass die hier gebräuchliche Bezeichnung „Nahostkonflikt“ die tatsächliche Lage doch etwas beschönigt: Es herrscht Krieg in der Region. Menschen verlieren ihr Zuhause, ihre Heimat, andere sogar ihr Leben. Dennoch gelingt es Irshaid, in der Erzählung einen fast heiteren Ton anzuschlagen. „Im ‚Hochzeitsessen’ kocht eine Frau ein üppiges orientalisches Mahl“, erklärt die Autorin.
„Dabei erzählt sie Geschichten, die sie selbst erlebt hat oder von denen ihr erzählt wurde.“ Bewusst spreche sie im Buch nicht von Israel oder Palästina, erklärt die Autorin, weil sie die Situation allgemein gültig verstanden wissen wolle. Und als einen Beitrag zum hochaktuellen Thema, wie Menschen Flucht und Vertreibung erfahren, wie sie sich eine neue Heimat suchen.
„Die Erzählung soll die Herzen öffnen und den Blickweiten“, sagt Irshaid. Das dies gelingen könnte, ist ihrer anschaulichen, dicht gewebten Erzählkunst geschuldet, die den Leser beziehungsweise Zuhörer sofort gefangen und in eine ihm fremde Situation mit hinein nimmt. Dass das Zubereiten von Speisen und das (immer gemeinschaftliche) Essen einen roten Faden bilden, kann als verbindendes Element die Fremdheit sofort überbrücken. „Wer gemeinsam am Tisch gesessen und gegessen hat, kann kein Feind mehr sein“ – diese orientalische Lebensweisheit versteht man auch hierzulande.
Daran anknüpfend formuliert Irshaid ihre zentralen, humanistischen Botschaften. Etwa: „Die Menschen haben überall die gleichen Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen. Hier wie im ‚Feindesland’!“ Oder: „Ein jedes Volk besteht aus Menschen. Aus Vätern, Müttern, Schwestern, Brüdern…“.
Das man bei ihrer Lesung die Figuren nicht immer ganz zuordnen kann, ist dem dabei erforderlichen fragmentarischen Vorgang geschuldet. Aber immer wird eine Situation deutlich, die Brücken schlagen kann. Zwischen Israelis und Palästinensern. Zwischen Ost und West. Oder, um es im Sinne der Autorin auszudrücken: Zwischen Menschen.
Text und Bild: Sabine Näher/Murnauer Tagblatt 25./26.05.2019
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