Franz Thaler

Schule / Kultur | 17.02.2017 | 10:14
Franz Thaler für immer "unvergessen": Asteroid trägt seinen Namen


Planetarium Südtirol tauft Kleinplaneten im Sonnensystem nach dem Südtiroler Autor und KZ-Überlebenden Franz Thaler.

Franz Thaler für immer "unvergessen": Asteroid trägt seinen Namen
Vor zwei Jahren hat das Planetarium Südtirol am Wettbewerb "Name ExoWorld" der Internationalen Astronomischen Union (IAU) teilgenommen. Bei diesem Wettbewerb ging es darum, neue, treffende Namen für Planeten zu erfinden, die um weit entfernte Sterne kreisen. Der Vorschlag des Planetariums Südtirol wurde in einer Online-Abstimmung mit den meisten Stimmen zum Sieger erkoren. Als Preis durfte das Planetarium Südtirol einen Kleinkörper in unserem Sonnensystem taufen.

Seit 12. Februar 2017 trägt somit nun ein Asteroid, der bis dato als "(6212) 1993 MS1" bekannt war den Namen "Franzthaler". Namensgeber ist der Sarner Autor und KZ-Überlebenden Franz Thaler. Aus der Begründung geht hervor, dass Franz Thaler sich für das friedliche Zusammenleben der drei Sprachgruppen einsetzte und dass sein Buches "Unvergessen" zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit beitrug.

Die Umlaufbahn des Asteroiden befindet sich zwischen Mars und Jupiter; für einen Umlauf um unsere Sonne benötigt er knapp vier Jahre. Aktuell befindet sich "Franzthaler" aus Sicht der Erde nahe der Sonne, sodass er erst wieder im Sommer am Nachthimmel zu sehen sein wird. Allerdings bedarf es dafür größerer Teleskope, da er für das bloße Auge zu lichtschwach ist. Außer Frage steht, dass Franz Thaler beim nächsten Blick zu den Sternen für immer unvergessen bleiben wird.

Der exakte Wortlaut ist im MINOR PLANET CIRCULAR der Division F der Internationalen Astronomischen Union zu finden:
(6212) Franzthaler = 1993 MS1
Discovered 1993 June 23 by M. Nassir at Palomar.
Franz Thaler (1925–2015) was an author from South Tyrol, Italy and a survivor of Dachau and Hersbruck. Thaler’s memoir, Unvergessen (Unforgotten), initiated the process of coming to terms with what happened during the Nazi era. He was a firm believer in the peaceful coexistence of the three ethnic groups living in South Tyrol.

Deutsch:
(6212) Franzthaler = 1993 MS1
Entdeckt am 23. Juni 1993 von M. Nassir  am Palomar-Observatorium.
Franz Thaler (1925–2015) war ein Südtiroler Autor und Überlebender der Konzentrationslager Dachau und Hersbruck. Thalers Memoiren “Unvergessen” trugen zur Auseinandersetzung mit den Geschehnissen während der NS-Zeit bei. Thaler glaubte an das friedliche Zusammenleben der drei Sprachgruppen in Südtirol.


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Franz Thaler ist tot

Franz Thaler, einer der letzten überlebenden Gefangenen des Konzentrationslagers in Dachau, wurde am 6. März 2015  90 Jahre alt – kurz vor dem 70. Jahrestag der Befreiung des Lagers durch amerikanischen Truppen am 29. April 1945.

Als junger Mann von 19 Jahren erhielt er den Einberufungsbefehl zum Militärdienst in der deutschen Wehrmacht, obwohl sein Vater in der Volksabstimmung entschieden hatte, dass seine Familie italienische Staatsbürger bleiben sollten und nicht die deutsche Staatsangehörigkeit annehmen würden. Als italienischer Staatsangehöriger hat sich Franz Thaler deshalb geweigert, ein Soldat in Hitlers Heer zu werden, und floh in die Berge, wo er sich über mehrere Monate versteckt hielt, bis er erfuhr, dass die Nazis seiner Familie mit Strafmaßnahmen drohten, wenn er sich nicht ergeben würde.

Er stellte sich, wurde gefangen genommen, vor das Militärgericht gestellt und nach Dachau deportiert. Dort erlitt er unvorstellbare Qualen. Nach der Befreiung des Lager am 29. April 1945 blieben Thaler und viele seiner Mitgefangenen weiterhin Gefangene der amerikanischen Truppen und wurden gezwungen, zu einem Lager nach Frankreich zu marschieren, wo sie schließlich freigelassen wurden. Viele Gegangene starben auf diesem Marsch.

Thaler hatte Glück, diese Zeit in Dachau und den Marsch nach Frankreich überlebt zu haben – vor allem weil er relativ kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Dachau gebracht worden war, weil er seinen christlichen Glauben nie aufgegeben hatte und weil er in manch kritischem Moment von anderen Gefangenen unterstützt wurde. Schließlich kehrte er nach Südtirol zurück, wo er als Federkielsticker und Silberschmied arbeitete. Einige seiner Kunden gehörten zu der Gruppe von Menschen, die ihn während der Flucht an die Nazis verraten hatten.

Er beschrieb all diese Erfahrungen in seinen bewegenden Memoiren, die gekennzeichnet sind durch ihre große Menschlichkeit und durch fehlende Verbitterung, die unter diesen Umständen erstaunlich ist.

Die deutsche Ausgabe „Unvergessen – Option, KZ, Kriegsgefangenschaft, Heimkehr. Ein Sarner erzählt“ und die italienische Übersetzung „Dimenticare mai – Opzioni, campo di concentramento di Dachau, prigioniero di guerra, ritorno a casa,“ sind bei Raetia Verlag, in Bozen erhältlich, die englische Übersetzung „Unforgotten – A Memoir of Dachau“, bei KIENER Press in London und München.

Thaler besuchte viele Schulen und begleitete Gruppen junger Menschen auf ihren Besuchen in Dachau. 1997 erhielt er den Verdienstorden des Landes Tirol. 2010 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Bozen ernannt und 2013 wurde er von der Südtiroler Gesellschaft für Politikwissenschaft zur Politischen Persönlichkeit geehrt.

Am Donnerstag, den 29. Oktober 2015 ist Franz Thaler verstorben. Stellungnahmen zu seiner Person finden sich unter salto.bz.